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"Von E.ON abgezockt"
37 Gaspreisverweigerer beim Amtsgericht
Delbrück beklagt
Von Hubertus Hartmann
Kreis Paderborn (WV). Rot sehen bei E.ON alle Kunden.
Denn das ist die Farbe des Energieversorgers. Vielen treibt
E.ON's Gaspreispolitik allerdings auch die Zornesröte ins
Gesicht.
Seit 2004 hat sich eine stattliche Zahl von
Gaspreisverweigerern formiert, die Preiserhöhungen nicht
mehr mitmachen und die Zahlung verweigern. 15 Rebellen hatte
E.ON Westfalen Weser (EWW) zunächst in einem Musterprozess
vor dem Landgericht Dortmund verklagt. Während dieses
Hauptverfahrens ins Stocken gerate ist, hat der Versorger
vor dem Amtsgericht mehr als 200 weitere Klagen auf den Weg
gebracht und etliche Mahnverfahren eingeleitet.
Vom Landgericht Dortmund ist E.ON verpflichtet worden,
seine Kalkulation offen zu legen. Das Amtsgericht Paderborn
hat derweil erst einmal sämtliche Verfahren bis zu einer
Entscheidung in Dortmund ausgesetzt. In vier Fällen hatte
ein Paderborner Richter zuvor allerdings schon zugunsten der
Gaspreisverweigerer entschieden.
Beim Amtsgericht Delbrück hat Richter Thorsten Bolte am
Freitag in einem Sammelverfahren 37 Klagen von E.ON gegen säumige
Kunden verhandelt. Die Preiserhöhungen seien nur teilweise
nachvollziehbar, machte der Richter gleich zu Beginn
deutlich. »Es drängt sich der Verdacht auf, dass man da
sehr großzügig vorgegangen ist.«
»Die Gewinnspannen von E.ON sind unangemessen hoch«,
behauptete der Gütersloher Rechtsanwalt Reinhard Weeg, der
zahlreiche Beklagte vertritt. Während E.ON-Anwalt Jürgen
Drees aus Paderborn versichert: »E.ON hat nur die
gestiegenen Bezugskosten weitergegeben und die Preise
korrekt ermittelt. Andere Anbieter waren und sind deutlich
teurer.«
Die meisten der anwesenden Gasrebellen fühlen sich
trotzdem von dem Unternehmen »abgezockt«, wie es einer
formulierte. Viele sind seit den 1990er Jahren oder länger
Kunden. Damals seien Werber der Stadtwerke Paderborn und später
auch vom EWW-Vorgänger Pesag durch die Neubaugebiete
gezogen und hätten mit Sonderkonditionen gelockt. »Und
dann kam 2004 das Dilemma mit E.ON.«
Rechtsanwalt Weeg bezweifelt, dass jene damals
geschlossenen Sondertarifverträge überhaupt eine
Preisanpassungsklausel enthalten und verlangt von E.ON die
Vorlage der Altverträge.
Ein Urteil hat Richter Bolte noch nicht verkündet. Die E.ON
Westfalen Weser Vertrieb GmbH versorgt rund 88 000 Haushalte
mit Gas. Nach Informationen der Initiative »Gaspreise
runter« beläuft sich die Zahl der Verweigerer, die seit
2004 geforderte Preisanhebungen nicht mehr bezahlen, auf
etwa 1600.
Ein Ende der Prozesswelle ist derzeit nicht abzusehen
Quelle: Westfälisches Volksblatt
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