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E.ON entgeht möglicher Millionenstrafe der EU

Von Stefanie Bolzen

Energieriese einigt sich in Kartellverfahren endgültig mit Kommission - Konzern gibt Leitungskapazitäten frei

Brüssel - Die EU-Kommission wird ein Verfahren gegen den deutschen Energiekonzern E.ON Ruhrgas im Streit um Importkapazitäten einstellen. Die Brüsseler Behörde wird am heutigen Dienstag mitteilen, dass sie den von E.ON im Dezember vorgelegten Vergleich annimmt, in dem sich der Konzern zur Freigabe von Leitungskapazitäten verpflichtet. Das erfuhr die WELT aus EU-Kreisen.

Damit vermeidet das Essener Unternehmen eine mögliche Millionenstrafe. Brüssel kann in Kartellverfahren eine Zahlung von bis zu zehn Prozent des Umsatzes verlangen. Im Fall E.ON ging es um den Verdacht einer marktbeherrschenden Stellung des Energieriesen bei Ferngasleitungen. Die Wettbewerbshüter warfen dem Unternehmen vor, dass es fast alle Transportkapazitäten an wichtigen Einspeisepunkten für sich geblockt hatte, ohne diese zu nutzen. Auf diese Art aber, so der Verdacht der EU-Kommission, konnte E.ON Konkurrenten am Zugang zu den deutschen Gasliefermärkten hindern. Durch die Einspeisepunkte gelangt Gas aus Russland, Norwegen und den Niederlanden nach Deutschland.

Um die Kartellstrafe zu vermeiden, hatte E.ON angeboten, seine langfristigen Buchungen in zwei Schritten bis zum Herbst 2015 auf 54 Prozent zu reduzieren. Die frei werdenden Kapazitäten vermarktet E.ON-Tochter EGT. Im Markttest, der als Voraussetzung für eine Einigung gilt und bei dem die EU alle beteiligten Parteien befragt, hatten Wettbewerber wie nationale Kartellbehörden positiv auf das Angebot reagiert.

Nach Meinung der EU-Kommission sind neue Wettbewerber auf den Gasmärkten darauf angewiesen, Zugang zur benötigten Transportinfrastruktur, insbesondere zu Transportkapazitäten an den Einspeisepunkten des Gasnetzes, zu erhalten. Würden diese wie im Fall E.ON blockiert, könnte neuen Anbietern der Einstieg in den Markt erschwert werden, selbst wenn ihr Angebot wettbewerbsfähig ist. Vergleiche wie im Fall E.ON sind nach Meinung der EU-Kommission deshalb "für beide Seiten zufriedenstellend", so eine EU-Sprecherin. "Und sie sind auch gut für den Verbraucher."

Für E.ON mag diese Quintessenz mit Einschränkungen gelten. Die Essener müssen langfristig buchen, um etwa vom russischen Gasmonopolisten Gazprom gute Konditionen zu bekommen. Fehlen nun Einfuhrkapazitäten, muss E.ON kurzfristig am Markt zu höheren Preisen kaufen. Beobachter warnen zudem davor, dass Gazprom selbst Zugriff auf die E.ON-Leitungen bekommen könnte, um direkten Zugang zu den Verbrauchern zu erhalten.

Das nun eingestellte Verfahren ist eines von mehreren, welche die Kommission seit 2006 in ihrer "Energiesektoruntersuchung" durchgeführt hat. So hatte zuletzt das französische Energieunternehmen GDF Suez eingewilligt, seine Buchungen der Gaseinfuhrkapazitäten auf unter 50 Prozent zu senken. Bereits vergangenen Sommer hatte sich E.ON eine Rekordstrafe von 553 Mio. Euro eingefangen. Brüssel sah es als erwiesen an, dass sich das Unternehmen in aus den 70er-Jahren stammenden Verträgen mit GDF zum Ziele der Marktabschottung abgesprochen hatte. Der jetzt ausgehandelte Vergleich bedeutet für den neuen E.ON-Chef Johannes Teyssen eine Atempause. Brüssel hatte in seiner Energiesektoruntersuchung insgesamt drei Ermittlungen gegen die Essener angestrengt, die nun abgeschlossen sind

Quelle: Welt Online

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